Altkleidersammlung zerstört Textilbranche in Afrika
D.Tenzer| 23. März 2009 22:00
Werbeplakate, Fernsehspots und Postwurfsendungen: Appelle,Gutes zu tun, erreichen nahezu jeden Haushalt. Zu den bevorzugten Hilfeaufrufen gehört die Bitte um Kleiderspenden. Jährlich wandern rund 750.000 Tonnen Textilien in die öffentlichen Spenden-Container. Hinzu kommen Direktspenden an kirchliche und soziale Einrichtungen. Insgesamt, so Schätzungen, werden allein in Deutschland jedes Jahr mindestens 300 Millionen Modeartikel gespendet. Doch was mit den ausrangierten Altkleidern tatsächlich passiert, bleibt den hilfsbereiten Gebern in der Regel verborgen. Denn um den guten Zweck geht es bei der Altkleidersammlung nicht. Die abgelegte Garderobe ist vielmehr eine lukrative Ware auf dem weltweiten Markt für Gebrauchtkleider. Jährliches Umsatzvolumen: rund 500 Millionen Euro. Wo die Spenden landen, wird deshalb auch gerne verschwiegen. Häufig gehen dabei gemeinnützige Organisationen und gewerbliche Verwerter schwer durchschaubare Kooperationen ein. Es ist bei Containersammlungen durchaus üblich, dass zwar Name und Logo einer bekannten gemeinnützigen Organisation auf dem Sammelbehälter prangen, tatsächlich aber wird die Sammlung von einem gewerblichen Verwerter durchgeführt. Der Namen der karitativen Einrichtung ist nur gepachtet. Die Sozialverbände in Deutschland kassieren allein dafür dreistellige Millionenbeträge im Jahr. Der größte karitative Sammler, der den Inhalt seiner Sammelcontainer meistbietend an kommerzielle Händler veräußert, ist das Deutsche Rote Kreuz. Es folgen die Regionalverbände der Johanniter und des Malteser-Hilfsdienstes.
Die gewerblichen Textilverwerter sortieren die Altkleider nach unterschiedlichen Qualitäten: Die besten Stücke werden an europäische Second-Hand-Läden verkauft. Das sind rund fünf Prozent des gesamten Spendenaufkommens. Der Rest der tragbaren Ware wandert nach Osteuropa, Südamerika und bevorzugt nach Afrika. Die nicht mehr tragbaren Textilien gehen in die Putzlappenherstellung, in die Rohstoffverwertung oder sie werden entsorgt.
Sind die Gebrauchtkleider in Afrika angekommen, werden sie meistbietend verkauft – an Zwischenhändler, die die Ware wiederum weiterverkaufen. Die Bedürftigen gehen dabei leer aus – es sei denn, sie zahlen in bar. Die Folgen für die jeweilige Textilindustrie sind verheerend. Studien belegen, dass der Altkleiderhandel die lokale Textil- und Bekleidungsproduktion in zahlreichen afrikanischen Ländern geschädigt hat. Viele Textilfabriken mussten ebenso schließen wie die Stände der Schneiderinnen auf den Märkten. Immerhin landen ein Drittel der in Deutschland gesammelten Altkleider in Afrika. In Tansania haben seit Anfang der 90er Jahre Importe etwa 90 Prozent des Marktes erobert, informiert die Deutsche Bundesstelle für Außenhandelsinformationen. Auch in Simbabwe gingen durch die Einfuhr von Altkleidern Tausende von Arbeitsplätzen verloren.
Oftmals werden beim Altkleiderexport Bestimmungen des Abfallrechts in Europa und gesetzliche Bestimmungen der Empfängerstaaten umgangen. Obwohl Länder wie Südafrika und Nigeria nur eine begrenzte Einfuhr erlauben, gelangen weiterhin jährlich Zehntausende Tonnen Altkleider in diese Länder. Würden im gesamten Handel alle fälligen Abgaben ordnungsgemäß bezahlt, so würde der Preisvorteil der Altkleider schrumpfen und die einheimischen Produkte hätten auf den Märkten eine größere Chance.
Zudem können die Staaten diese Einnahmen zur Armutsbekämpfung einsetzen, kritisieren Experten die derzeitige Altkleider-Sammel-Praxis. Die Verbraucherzentralen fordern sogar ein grundsätzliches Exportverbot für Altkleider aus Europa und den USA. Das beträfe dann aber auch die Sammelorganisationen, denen es tatsächlich um die Hilfsbedürftigen geht. Wie kann man diese erkennen? Unter anderem am Gütesiegel des Verbandes Fairwertung. Wie das Siegel aussieht, kann unter: www.fairwertung.de nachgelesen werden.
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